AD(H)S - Nachhaltige Veränderung ohne Medikamente

© djama - Fotolia.com
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 Vom Mythos der Biologie: kein Kind wird mit AD(H)S geboren

 

In den Ländern der westlichen Kultur (Deutschland, Europa und Amerika) werden in der heutigen Zeit ca. 5 % aller Grundschulkinder mit der Diagnose „AD(H)S“ versehen. Das Netzwerk an Fachleuten und Laien, die sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen unruhigen und konzentrationsschwachen Kindern zu helfen, wächst rasant. Alle greifen auf ein Störungsverständnis zurück, dass sich auf ein fest vorgegebenes Verhaltensmuster bezieht und die Haltung zu Grunde legt, dass bei diesen Kindern veränderte Hirnstrukturen und Stoffwechselwege anzunehmen sind. Nur allzu oft wird leichtsinnig zu einem Medikament wie Ritalin gegriffen, um diese Kinder wieder schul- und gesellschaftsfähig zu machen. AD(H)S gilt als die kinder- und jugendpsychiatrische Störung, die am meisten erforscht wurde. Im ICD-10 hat AD(H)S einen festen Platz gefunden und ist damit nicht nur eine Modediagnose, sondern scheinbar etabliert und als psychiatrische Diagnose ernstzunehmen. Und wie Ärzte sagen würden: durch ein Medikament so leicht heilbar.

 

Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Als Familientherapeutin schaue ich mir eine AD(H)S-Diagnose sehr genau an. Vor wenigen Jahren galt auch noch Homosexualität als Geistesstörung und war mit einer Psychiatrischen Diagnose versehen. Daher lasse ich mich davon nicht beeindrucken.

Es ist unüblich geworden, sich eine AD(H)S-Diagnose genauer anzuschauen und genau zu prüfen, wie sich die Verhaltensauffälligkeiten entwickelt haben und welche Lösungen sich anbieten, wenn man sich die Stärken dieser Kinder anschaut und die hilfreichen Einflüsse ihres sozialen Umfelds berücksichtigt.

Die AD(H)S-Diagnose ist das Ergebnis einer reinen Verhaltensbeobachtung; die Entwicklungslinie des Kindes, seine psychische Verfassung und seine Lebensumstände werden nicht berücksichtigt. Nimmt man nur das Verhalten bleiben die Entwicklungs- und Lerngeschichte, Lebensumstände und die Wechselwirkung zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren außer Betracht. Mit der Verabreichung von Medikamenten konzentrieren wir uns ausschließlich nur auf die biologischen Aspekte.

 

Doch kein Kind wird mit AD(H)S geboren. Die Bindungsforschung hebt die Bedeutung der Beziehung hervor, die sich nach der Geburt zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen entwickelt. Es ist das Urvertrauen, das ein Kind in dieser frühkindlichen Phase entwickelt und das dem Kind die Bewältigung von schwierigen Erlebnissen vereinfacht. Kinder, die mit einer AD(H)S-Diagnose versehen werden, haben eine sehr hohe Wahrnehmungsintensität und sind daher ganz besonders emfänglich für Anerkennung und sehr empfindlich gegenüber Entwertungserfahrungen.

Die Lebensgeschichte von AD(H)S-Kindern ist jedoch von Entwertungserfahrungen geprägt. Anpassungsstörungen in ihrer frühkindlichen Entwicklung beeinflussen die Verfassung der Eltern maßgeblich, denen auf Grund von Überlastung durch ihre sehr verhaltensintensiven Kinder (z.B. Schreikinder) angemessene Reaktionen auf ihren Säugling nicht gelangen. Die Erziehungs- und Entwicklungsatmosphäre war sehr angespannt, viele Eltern erlebten ihre Kinder als undankbar und reagierten ihrerseits sehr häufig mit Rückzug. Im späteren Entwicklungsverlauf blieb das unruhige Kleinkind weiterhin anstrengend, konnte oder wollte es Regeln und Grenzen scheinbar nicht einhalten. Die Eltern gerieten in Auseinandersetzung über die „richtigen“ Erziehungsstrategien, sie fühlten sich überlastet und die Zeit bis zur Einschulung war meistens nicht aushaltbar. Immer wieder erfuhr das Kind Entwertung; egal was es tut, es verhält sich nicht sozialverträglich. Und mit der Einschulung kommt häufig dann der Höhepunkt: viele Kinder werden schließlich ausgeschult aus dem Regelsystem, weil sie sich nicht an die vorgegeben Strukturen des Schulsystems halten können.

 

Ohne Medikamente leben!

 

Doch AD(H)S-Kinder und ihre Eltern benötigen neue, positive Erfahrungen. Wie können Eltern auch nur eine winzige Stärke sehen, wenn ihnen von Ärzten und Psychologen eingeredet wird, ihr Kind habe eine Geistesstörung?

Die Systemische Familientherapie in unserer Praxis in der Villa Sauer in Siegen sieht ihre Aufgabe schließlich darin, beim Bearbeiten von solchen schwierigen Erfahrungen und bei der Suche nach Lösungen ohne Medikamente hilfreich zu sein.

Durch eine umsichtige und einfühlsame Bestandsaufnahme beleuchten wir zunächst die aktuelle gesundheitliche Verfassung und die Begabungsausstattung Ihres Kindes. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde Ihrem Kind mindestens eine mittelmäßige Intelligenz zugesprochen. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, Ihre Anstrengungen zu würdigen und Ihnen als Eltern die Anerkennung zukommen zu lassen, die Sie für das Aushalten der vergangenen Jahre wirklich verdient haben! Meistens wird der nächste Weg sein, einen neuen Erziehungsstil einzuüben, denn viele AD(H)S-Kinder sprechen viel besser auf einen handlungsintensiven Erziehungsstil an. Wir werden gemeinsam eine neue Perspektive weg von dem, was ihr Kind alles gar nicht kann und hin zu den zahlreichen Stärken und Fähigkeiten Ihres Kindes erarbeiten, so dass es Ihnen gelingen wird, Ihr Kind als wahrnehmungsintensiv und handlungsbereit zu beschreiben. Diese Anerkennung wird der Grundstein dafür sein, dass sich Ihr Verhältnis zu ihrem Kind nachhaltig verändert, eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden kann und Ihr Kind beginnen kann, sein Verhalten zu ändern.